Endlich Zeit finden! Warum „Zeit finden“ gerade auf Reisen so wichtig ist.

oder: Gibt es das Ende des Regenbogens?

Gerne folge ich einer Einladung meiner Bloggerkollegin Susanne Kumm zu einer Blogparade zum Thema: Endlich Zeit finden.

Beim googeln fand Susanne heraus, dass die Anfrage „Zeit finden“ 246 Millionen Suchergebnisse ausspuckte. Ist das nicht enorm? „Zeit finden“ ist somit ein Begriff, der in unserer Gesellschaft sehr bedeutend ist.

Für  Susanne und mich ist das Reisen ein grosses Thema, aus der Liebe zum Reisen entsteht mein Blog und deshalb begebe ich mich auf die Suche nach dem WARUM „Zeit finden“ gerade auf Reisen so wichtig ist.

Eine Reise oder der Urlaub wird gerne betitelt mit „die schönste Zeit des Jahres“ und da wir ja natürlicherweise das Schönste aus dieser Zeit herausholen wollen, bedarf es einiger Vorbereitungen: Kataloge werden gewälzt, Angebote geprüft und mit den eigenen Vorstellungen abgeglichen, eventuell Freunde und Bekannte zu Rate gezogen und Empfehlungen eingeholt.

Wo aber bleiben wir dran, was ist das Schönste, welches wir uns in dieser Auszeit erhoffen. Ich denke ganz einfach „Zeit zu finden“ für das was wir uns erträumen. Wir möchten Bilder aus unserer Vorstellungswelt mit der Wirklichkeit in Einklang bringen und die Erinnerungen daran in welcher Form auch immer, seien es Fotos, Filme, Musik oder Souvenirs mit nach Hause nehmen. Je einprägsamer und nachhaltiger sich eine Reise gestaltet, desto herzerwärmender und zeitloser erlaubt uns die Erinnerung daran, unseren normalen Alltag mit Freude und Begeisterung für das Erlebte zu füllen.

Nur – ist dies immer so einfach?

Ich erinnere mich noch an meine allererste Afrika-Reise, diese ging nach Marokko. Ein damals mühsam erkämpfter 6 Wochen Urlaub, der mich in dieser Zeit mit einem langsamen Landrover durch halb Europa und endlich übers Mittelmeer nach Marokko brachte, um diese märchenhaft orientalische Welt zu erkunden.

Jeder Tag des Urlaubs war minutiös geplant, Fahrstrecken und Übernachtungsmöglichkeiten wurden schon in der Planung ausgearbeitet. Natürlich habe ich viel erlebt in dieser Zeit, aber was ist mir in Erinnerung geblieben?

Es waren die Erlebnisse in denen ich Freude, Spannung und Begeisterung empfunden habe. Die Fotos dieser Momente, die diese Gefühle in mir hervorgerufen haben, gibt es heute noch – in einem uralten Fotoalbum und jedesmal, wenn ich sie betrachte, bleibt für mich die Zeit stehen oder wird zurückgedreht.

In diesem Augenblick habe ich das Gefühl „Zeit wieder zu finden“ und zu verweilen, einfach stehenbleiben zu können und zu geniessen.

Aber genauso habe ich noch heute das Gefühl, dass etwas nicht stimmig war auf dieser Reise. Viel zu viele Eindrücke in kurzer Zeit, Abrisse einzelner Erlebnisse reihen sich aneinander und doch ist nichts richtig greifbar. Durch die starre Planung verschwimmt die Zeit in einem Meer des Fremdartigen und nur wenige Eindrücke waren wirklich bleibend.

Obwohl 6 Wochen schon eine lange Zeit sind, habe ich noch heute das Gefühl in Wirlichkeit „Zeit verloren zu haben“.

Endlich Zeit finden, das ist also auch ein grosses Thema im Urlaub. Gerade auf Reisen und in fremder Umgebung prasseln so viele verschiedene und unbekannte Eindrücke auf uns ein, dass wir kaum Zeit finden allen Eindrücken ihren Raum zu geben und sie entsprechend zu verarbeiten.

Es werden unzählige Fotos geschossen, die in irgendeiner Weise festhalten sollen, was man erlebt oder gesehen hat. Und oftmals stellt man im Nachhinein fest, daß „die schöne Zeit“ doch viel zu schnell vergangen ist und die Bilder nur eine Kette von leblosen Ereignissen darstellen.

Aus Erfahrungen mit meinen Gästen weiss ich, wie gross einerseits das Bedürfnis ist, bloß keine „Zeit zu verlieren“ und gleichzeitig doch das Verlangen da ist, ganz spezielle Momente bis ins letzte auszukosten und wirken zu lassen.

Deshalb meine ich, wie bei einem guten Essen die richtige Würze das Mahl abrundet, so sind es beim Reisen die Geschichten die hinter einem besonderen Moment stehen und das Erlebte einprägsam in uns verankern.

Ich nenne es:

Dem Erlebten Leben geben. Klick um zu Tweeten

Versuche, die Orte die Du besuchst, mit einer Geschichte zu verbinden. Das kann etwas ganz eigenes sein. So stehen die zeitlosen Landschaften der ostafrikanischen Savanne für ein Gefühl der Ewigkeit. So hat es vielleicht schon vor tausenden von Jahren dort ausgesehen, als die ersten Menschen den Fuß in das trockene Gras der lichter werdenden Steppe setzten.

Inspiration-Reisen-Tansania-West-Kilimanjaro-Savanne

Ein Hügel oder eine Erhöhung erlauben Dir den Weitblick, den die ersten Jäger in dieser Gegend hatten, als sie nach dem Wild Ausschau hielten.

Inspiration-Reisen-Nambia- Kaokoveld-Van-Zyls-Pass

Eine überhängende Felswand vermittelt Geborgenheit für die Frauen der Steinzeit, die dort das Essen für ihre Sippe bereiteten und auf die Rückkehr der Jäger warteten.

Inspiration-Reisen-Süd-Amboseli-Sinya

Hauche dem Erlebnis Leben ein. Jeder Ort kann eine Geschichte erzählen und Du kannst Dich mittendrin empfinden, wenn Du Dir Zeit nimmst, Dich einigen Momenten der Stille hinzugeben und bewusst und achtsam innere Bilder zulässt. Fotos dieser archaischen Landschaften strahlen eine ruhige Energie aus und ihre Betrachtung bekommt dann für Dich einen ganz besonderen Sinn.

Inspiration-Reisen-Tansania-West-Kilimanjaro-Longido

Oft ist dies nicht einfach, denn an vielen magischen Orten wirst Du nicht alleine sein, speziell auf einer Gruppenreise. Der schönste Sonnenuntergang wird profan, wenn Du Dich in einer Horde fotowütiger „Abhaker“ wiederfindest. Kämpfe um den besten Standort, für das beste Foto vermiesen Dir die Freude und lassen Dich diesen nie mehr wiederkehrenden Augenblick als verloren ansehen.

Inspiration-Reisen-Australien-Südküste-Twelve-Apostle-Fotografen

Aber Vorsicht, auch hier gibt es Abhilfe: Sondere Dich ab, finde Deinen ganz eigenen Blickwinkel und halte diesen fest. Selbst wenn Du nicht in der Lage bist, das Foto Deiner Vorstellungen oder nach der Vorlage von Katalogbildern zu schiessen, so wird Dich Dein bewusst erlebtes „Zeitfenster“ und Deine spezifische Aussicht später eher auf den Schwingen der Erinnerung tragen als das perfekteste Abbild eines Massenmotivs.

Inspiration-Reisen-Australien-Südküste-Twelve-Apostle

Probiere es aus, stelle sie nebeneinander und lasse sie auf Dich wirken. Dein Foto wird Dich verweilen lassen und zurücktragen – Du hast Zeit gefunden und kannst sie bewahren und jederzeit abrufen.

Genauso gilt auf Reisen die alte Weisheit von Lao Tse:

Weniger ist mehr …

Du wirst festellen, immer dann, wenn Du Dir weniger vornimmst, einige Stationen weglässt oder Dir nur eine Nacht mehr an einem Aufenthaltsort gönnst, daß sich Dein Zeitgefühl verändert und Du zur Ruhe kommst. Du hast Dir selbst Zeit gegeben, Deine Seele nachkommen zu lassen und Dich mit den Energien eines Ortes verbunden. Die Fotos die dort entstehen werden in Dir immer diese Verbundenheit hervorrufen und Du wirst sie als etwas Spezielles empfinden und ehren.

Inspiration-Reisen-Tansania-Shumata-Camp-Nachthimmel

Zeitlose Momente in Bildern festzuhalten gelingt oft nicht und trotzdem kann die Erinnerung an sie so klar und deutlich sein, als wenn sie jederzeit gegenwärtig wären.

Inspiration-Reisen-Tansania-West-Kilimanjaro-Elefant

Mein Gast Christine und ich waren in der Savanne westlich des mächtigen Kilimanjaro unterwegs auf den Spuren eines einzelnen Elefantenbullen. Wir hatten ihn am Tag vorher schon lange beobachtet und wollten heute zum Abschluss von Christines‘ Safari noch einmal seine Fährte aufnehmen und ihm „Aufwiedersehen“ sagen. Die Regenzeit begann und die ersten plötzlichen Schauer verzauberten einen dunklen Himmel und goldene Sonnenstrahlen mit einem bunten schillernden Regenbogen.

Inspiration-Reisen-Tansania-Shumata-Kilimanjaro-Regenbogen

Christina sah mich an und brachte einen Kindheitstraum von mir zum Ausdruck:

„Glaubst Du wir finden das Ende des Regenbogens?“

Ich griff die Frage auf und gab sie an unseren stets optimistischen tansanischen Wildhüter und Fahrer weiter. Seine Antwort war: „Sicher, lasst uns versuchen die Stelle zu erreichen, wo der Regenbogen auf die Erde trifft. Aber dann müssen wir die Suche nach „unserem“ Elefanten aufgeben und in die entgegengesetzte Richtung aufbrechen.“

Ein kurzer Blick, ein schnelles Nicken von Christine und schon waren wir spontan unterwegs über Stock und Stein dem Anfang oder Ende dieser magischen Brücke auf der Spur. Nach über einer halben Stunde Geholper bogen wir um eine dichtbewachsene Buschgruppe und da lag es vor uns:

Das Ende des Regenbogens, blass und schillernd auf der braungelben Erde und kaum von der Umgebung zu unterscheiden. Aber wir waren am Ziel. Durchgerüttelt, staubbedeckt und müde aber glücklich diesen Moment gefunden zu haben und geniessend, bis sich die Spiegelung langsam auflöste.

Dankbar durch unsere gemeinsame Spontanität, die „Zeit“, unseren „Moment“ gefunden zu haben.

In diesem Sinne, lasst uns Zeit finden …

Inspiration-Reisen-Namibia-Himba-Armreifen

 

Herzlichst Eure

Lilli-US

Komm mit, die Welt wartet auf uns …

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Lilli Mixich

Travel Coach und private Reisebegleitung bei Inspiration-Reisen
Hi, ich bin Lilli, die Macherin hinter diesen Beiträgen. Als Autorin, Travel Coach und private Reisebegleiterin verbinde ich mich mit Menschen, die Träume Wirklichkeit werden lassen wollen. Mein Leitsatz: "Das Leben ist eine Abenteuer-Reise, wir können den Wind nicht lenken, aber die Segel richtig setzten …"

5 Kommentare


  1. Liebe Lilli,
    es ist großartig zu sehen, wie du dich (und auch andere Blogger) mit der Blogparade inspirieren lässt. Gleichzeitig ziehe ich meinen Hut vor dir, dass du 1. die Entscheidung für einen eigenen Blog getroffen hast (ich freue mich schon jetzt, mehr von dir zu lesen!) und 2. die Gelegenheit der Blogparade genutzt hast, einen eigenen Artikel zu schreiben. Du hast eine tolle Art zu schreiben, so dass ich bis zum Schluss lesen muss. Die Fotos haben mich in deine Erinnerungen mitgezogen. Dankeschön dafür! Ich liebe das Bild mit dem Sonnenaufgang (?) hinter dem Berg. Es hat eine eindrucksvolle Stimmung.
    Herzliche Grüße an dich,
    deine Susanne

    Antworten

    1. Liebe Susanne

      Danke Dir für Deinen 1. Kommentar auf meinem Blog. Die Entscheidung einen eigenen Blog zu führen habe ich eigentlich schon vor langer Zeit getroffen, aber irgendwie hielten mich meine eigenen Perfektionsansprüche immer wieder zurück. Von Dir und anderen Bloggern habe ich viel gelernt und nun ist es Zeit das alles umzusetzen.

      Danke für Deine Inspiration, bei dem Thema „Zeit finden“ konnte ich einfach nicht länger widerstehen und danke auch ganz herzlich, dass Du mir immer wieder Mut gemacht hast.

      Der Sonnenaufgang ist ein Sonnenuntergang, aufgenommen von der Feuerstelle aus in dem Camp (Shumata), das ich schon einige Male in Nordtansania an der kenianischen Grenze gemanagt habe. Der markante Berg ist der Longido im West Kilimanjaro Gebiet, bzw den Süd-Amboseli Niederungen. Das Bild, eine HDR-Aufnahme, ist nach einem heftigen Gewitter entstanden und im Vordergrund sieht man den mit glitzernden Regentropfen überzogenen Busch nach einem dramatischen Sonnenuntergang.

      Dir ganz viel Erfolg mit Deiner Blogparade: „Endlich Zeit finden“.

      Alles Liebe
      Lilli

      Antworten

  2. Liebe Lilli,
    vielen Dank noch mal, dass du dich an meiner Blogparade „Endlich Zeit finden“ beteiligt hast! Du und deine Blogleser finden jetzt alle 33 Blogartikel in meinem Resümee-Beitrag 7 wertvolle Gedanken über die Zeit, die du kennen solltest
    http://emotures.de/allgemein/7-wertvolle-gedanken-ueber-die-zeit-die-du-kennen-solltest

    Im August erscheint zu der Blogparade ein e-book, in dem ich alle Blogartikel strukturiert aufbereite und auch dir gerne zur Verfügung stelle. Denn das Thema „Zeit“ beschäftigt uns alle – in verschiedenen Lebensbereichen. Über neue Ideen, Erfahrungen anderer und ganz praktische Tipps können wir hoffentlich künftig alle mehr „Zeit finden“, „Zeit haben“ oder „Zeit gewinnen“.
    In diesem Sinne wünsche ich dir viel wertvolle Zeit für die wichtigen Dinge im Leben. Ganz herzliche Grüße schickt dir,
    deine Susanne

    Antworten

  3. Oh was für Bilder, was für Verlockungen… und gute klare Worte dazu. Ich fühle mich mitgenommen und geniesse. Danke fürs Bloggen, meine Liebe!

    In den letzten Jahren ist mir immer häufiger im Urlaub der Moment wichtiger geworden. Weniger Photos, weniger Mitbringsel, aber dafür eine Riesenmenge gute Erinnerungen und Energie im Tank.
    Und sei es nur vom Am-Meer-Sitzen-und- in-die-Brandung-schauen.
    Himmlisch.

    Liebgruß,
    Johanna

    Antworten

    1. Liebe Johanna
      Danke für Dein Lob und dass ich Dich auf meine Art „mitnehmen“ konnte, ist mir eine grosse Freude. Noch dazu bei so einem „bunten“ Menschen wie Dir.
      Ja der bewusst erlebte Augenblick kann eine immense Bereicherung sein, das vergessen viele. Und bei meinem letzten Am-Meer-Sitzen-und-in-die-Brandung-schauen hatte ich ein ganz neu empfundenes Aha-Erlebnis, welches mich sichtlich weiter gebracht hat.
      In diesem Sinne – wünsche ich uns viele „bewegende“ Momente.
      Herzlichst Lilli

      Antworten

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